Fragestellung

Welche Wirkungen haben Interventionen mit körperlicher Aktivität für Frauen mit Brustkrebs, die die Krebsbehandlung abgeschlossen haben?

Hintergrund

Nach einer Brustkrebsbehandlung können Frauen unerwünschte seelische und körperliche Ereignisse erfahren, die durch den Krebs selber oder seine Behandlung hervorgerufen werden. Diese unerwünschten Ereignisse können in einer verkürzten Lebensdauer nach der Behandlung resultieren und sich negativ auf die Lebensqualität und die körperliche und seelische Gesundheit auswirken. Einige Studien deuten an, dass regelmäßige, aktive körperliche Betätigung nach der Behandlung die Wahrscheinlichkeit mildern könnte, dass der Krebs zurückkehrt oder die Frauen aufgrund der Krebserkrankung versterben. Regelmäßige körperliche Aktivität kann zu einer großen Bandbreite an weiteren vorteilhaften Wirkungen führen, wie einer verbesserten Lebensqualität, seelischen Gesundheit und körperlichen Funktionsfähigkeit. Wir wollten herausfinden, ob körperliche Aktivität bei Frauen mit Brustkrebs nach erfolgter Behandlung eine Wirkung auf das Risiko, dass der Krebs wiederkehrt oder zum Tod führt, auf die Lebensqualität und weitere Aspekte des Wohlergehens hat.

Studienmerkmale

Wir haben nur Studien eingeschlossen, bei denen die Frauen mit Brustkrebs die aktive Krebsbehandlung abgeschlossen hatten. Diese Studien verglichen die Ergebnisse von Frauen, die an Interventionen zu körperlicher Aktivität teilnahmen mit den Ergebnissen von Frauen, denen die Standardbehandlung oder keine körperliche Aktivität angeboten wurde. Die Teilnehmerinnen mussten zufällig oder nahezu zufällig einer Gruppe zugeordnet worden sein. Die Evidenz ist auf dem Stand von September 2015.

Hauptergebnisse

Dieser Review enthält 63 Studien mit 5761 Teilnehmerinnen. Die meisten Studien (28) enthielten Ausdauertraining (z. B. Laufen, Fahrrad fahren, Tanzen), wohingegen sieben Studien eine Gruppe mit alleinigem Krafttraining und 21 Studien eine kombinierte Ausdauer- und Krafttrainings-Gruppe enthielten. Eine von fünf Teilnehmerinnen, die sich in einer Interventionsgruppe mit körperlicher Aktivität befand, brach die Studie vor deren Ende ab. Im Durchschnitt wurden ein Viertel der geplanten Sitzungen mit körperlicher Aktivität von den Teilnehmerinnen verpasst. Wir haben keine Studien gefunden, die sich mit den Wirkungen von körperlicher Aktivität nach der Krebsbehandlung auf das Risiko für ein Wiederkehren der Krebserkrankung oder Tod aufgrund des Brustkrebses oder einer anderen Ursache befassten. Wir haben herausgefunden, dass Teilnehmerinnen, die sich aktiv körperlich betätigt haben, am Ende der Intervention vorteilhaftere Werte hatten und größere positive Änderungen im Verlauf der Interventionsperiode hinsichtlich der Lebensqualität, der Ansichten über ihre seelische Gesundheit und ihre körperlichen Fähigkeiten, der sozialen Funktionen, Angstgefühlen, der Ausdauer, dem Ausmaß an körperlicher Aktivität, dem Körperfett und der Muskelkraft im Vergleich zu den Teilnehmerinnen mit der Standardversorgung erfuhren. Die Forscher fanden keine Wirkungen auf die wahrgenommene Gesundheit, die Fähigkeit zu schlafen, Schmerzen, die sexuelle Funktion, den Body-Mass-Index, das Taille-Hüft-Verhältnis und die Knochengesundheit der oberen oder unteren Wirbelsäule und der Hüfte. Mindestens drei Monate nach dem Abschluss der Intervention blieben die aktuellen Werte und die Veränderungen ab dem Beginn der Intervention hinsichtlich der Müdigkeitsgefühle, der Ausdauer und dem selbstberichteten Ausmaß an körperlicher Aktivität bei den Teilnehmerinnen mit Intervention vorteilhafter als bei denen, die die Standardbehandlung erhalten hatten. Beides, das Ausdauertraining alleine und die Kombination von Ausdauer- und Krafttraining, verbesserte die Lebensqualität und die Ausdauer. Ausdauertraining verbesserte die Ansichten über die wahrgenommene seelische Gesundheit und die körperlichen Fähigkeiten, ebenso wie die sozialen Funktionen und das selbstberichtete Ausmaß an körperlicher Aktivität, wohingegen das Krafttraining in einer größeren Verbesserung der Muskelkraft resultierte. Kombinierte Ausdauer- und Krafttrainingsinterventionen führten zu reduzierten Müdigkeitsgefühlen. Die Studienautoren berichteten wenige geringfügige unerwünschte Ereignisse bei den Frauen, die Interventionen mit körperlicher Aktivität erhielten.

Qualität der Evidenz

Wir bewerteten die Qualität der Evidenz zu verschiedenen Gesundheitsaspekten als sehr niedrig, niedrig oder moderat. Wir bemerkten große Unterschiede zwischen den Interventionen, die betrachtet wurden, hinsichtlich der Art an körperlicher Aktivität, der Häufigkeit von Sitzungen pro Woche, dem Ausmaß der Anstrengung für die Teilnehmerinnen und der Dauer der Sitzungen und Interventionen. Außerdem maßen die Forscher die gesundheitlichen Aspekte auf viele verschiedene Arten. Andere Probleme mit den geeigneten Studien betrafen das Fehlen von Informationen dazu, wie die Studienautoren die Teilnehmerinnen zufällig auf die Gruppen aufgeilt hatten, ob die Forscher, die die Tests durchführten, wussten, welcher Gruppe die getestete Person angehörte und wie die Forscher mit fehlenden Daten in ihren Studien umgingen. In vielerlei Hinsicht können wir die Möglichkeit nicht ausschließen, dass die positiven beobachteten Wirkungen zu klein waren, um von Bedeutung zu sein. Es ist auch möglich, dass kleinere Studien, die keine positiven Wirkungen von körperlicher Aktivität für Frauen mit Brustkrebs nach der Behandlung gefunden haben, nicht veröffentlicht wurden, weil es Studienautoren oftmals schwerfällt, Studien zu veröffentlichen, die keine nützlichen Wirkungen gefunden haben.

Übersetzung: 

J. Metzing, freigegeben durch Cochrane Deutschland

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